Trampolin und Therapie

Trampoline werden insbesondere in der Physiotherapie schon seit vielen Jahren als Trainingsgeräte eingesetzt. Positive Wirkungen konnten bei der Förderung der Motorik, beim Muskelaufbau und bei der Stärkung des Immunsystems festgestellt werden. Die „Entwicklung der Gleichgewichtsfunktion, der Koordinationsfähigkeit und motorischen Anpassungsfähigkeit wird durch kein Sportgerät so positiv beeinflusst wie durch den gezielten Einsatz des Trampolins“¹. So erfordert das Springen auf dem elastischen Sprungtuch ein hohes Maß an Koordination und Gleichgewichtsempfinden. Nicht nur wir sind beim Springen in Bewegung, sondern auch die Unterlage von der wir abspringen und auf der wir wieder landen. Der Springer muss sich „aktiv mit der Federtuchwirkung und dem Gleichgewicht, das der Körper auch in der Luft sucht, auseinandersetzen und versuchen, angemessen zu reagieren“².

Nach Rheker ³ werden folgende motorische Eigenschaften und Fähigkeiten auf dem Trampolin geschult und gefördert:

  • Vertrauen zu sich selbst und anderen
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Bewegungsfreude
  • Risikobereitschaft
  • Konzentration
  • Selbsteinschätzung
  • Sensomotorische Anpassungsfähigkeit
  • Rhythmusgefühl
  • Gleichgewichtsvermögen
  • Haltungsaufbau
  • Lageempfinden
  • Orientierungsvermögen
  • Koordination
  • Geschicklichkeit
  • Ausdauer
  • Sprungkraft


Beim Trampolinspringen geht es also um viel mehr als um Spaß. Der Körper ist in seiner Ganzheit mit all seinen Muskeln und Sinnen gefordert. Binnen Sekunden müssen verschiedenste Informationen verarbeitet und vom Springer darauf angemessen reagiert werden. Der Springer muss:

  • sich orientieren
  • seine Muskelkraft gezielt einsetzen um eine von ihm bestimmte Sprunghöhe zu erreichen
  • seine Sprünge koordinieren um sicher zu landen
  • seinen Körper stabilisieren um aufrecht und kraftvoll springen und landen zu können
  • seine Ängste überwinden um sich in das Abenteuer Schwerelosigkeit entführen zu lassen.


Zunehmend an Bedeutung gewonnen hat das Trampolin bei der aktiven Behandlungsunterstützung bei Mukoviszidose.

Häufig tritt die Lungenerkrankung Mukoviszidose schon im Säuglingsalter auf. Zäher Schleim verstopft die Bronchien und bildet einen günstigen Nährboden für die Ablagerung von Keimen. Die Folgen: Chronische Entzündungen der Bronchialwände, eine Zerstörung des Lungengewebes sowie Sauerstoffmangel. Neben Therapiegeräten zur Entspannung der Atemmuskulatur werden auch krankengymnastische Hilfsmittel zu einer Verbesserung der Lungenfunktion therapiebegleitend eingesetzt – mit Erfolg. Gerade die verbesserten krankengymnastischen Maßnahmen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass betroffene Patienten das Erwachsenenalter erlangen können. Waren Mukoviszidose Patienten früher noch von der rein passiven Abklopfbehandlung eines Therapeuten abhängig, so setzt man heute auf die Anleitung der Patienten und deren Angehörigen zur Selbstbehandlung zu Hause. Neben einer speziell ausgerichteten Ernährung und Inhalationen ist vor allem eine regelmässige krankengymnastische Betätigung der Patienten zur Sekretverflüssigung notwendig. Dabei ist wichtig, dass sich das gewählte Therapiehilfsmittel möglichst unkompliziert in den Tagesablauf integrieren und weitgehend unabhängig von Dritten anwenden lässt. Das Trampolin hat sich hier in zweifacher Hinsicht bewährt. Zum einen macht es den meist sehr jungen Patienten Spaß auf dem Sprungtuch zu hüpfen und zum anderen wirkt sich die schwingende Wirkung äußerst positiv aus: Der zähe Schleim lockert sich durch die Auf- und Ab-Bewegung, er wird mobilisiert und kann somit besser abgehustet werden.


Weitere Informationen finden Sie auch unter www.rehazentrum-erding.de.


Fußnoten:

  1. Rheker, U.: Spiel und Sport für alle, Meyer und Meyer, Aachen, 1993, S. 139
  2. Stäbler. Michael, Bewegung, Spaß und Spiel auf dem Trampolin, Reihe Motorik, Band  17, Verlag Karl Hofmann Schorndorf, 1996, S. 15
  3. Rheker, U.: Spiel und Sport für alle, Meyer und Meyer, Aachen, 1993, S. 129